Heimatdichter Johannes Kühn regt zum Schreiben an

 

Deutschstunde einmal anders: Die drei Klassen der achten an der Erweiterten Realschule Schaumberg Theley hatten den bundesweit bekannten Hasborner Heimatschriftsteller Johannes Kühn zur Autorenlesung eingeladen. Kühn las aus seinen Gedichten, vermittelte einen Einblick in seine Schreib- und Denkweise und stellte sich den Fragen der Schüler.

Johannes Kühn legt nach jedem seiner vorgelesenen Natur- oder Tiergedichte eine Pause ein und diskutiert mit seinen Zuhörern über seine vorgetragenen Verse. „Was will der Dichter euch damit sagen?““, wendet er sich fragend an die 80 Schüler und fügt an: Er sei kein Reimpapst, sondern stehe viel mehr für ein rhythmisches Spiel mit Worten. „Ein Dichter braucht Bilder und Vergleiche und denkt in Metaphern“, erklärt er den Jugendlichen. Das Hauptanliegen des bunten Heimatschriftstellers während seiner Lesung ist es, dass Wahrnehmungsvermögen der Schüler beim Lesen zu erweitern, und sie in die Fantasiewelt eines Dichters zu integrieren. „Versucht euch da ein bisschen rein zu denken, dann hört ihr Bilder“, rät Kühn. Der 75-Jährige zeigt sich hocherfreut darüber, dass sein Gedicht vom Stadtbesucher im Deutschlesebuch der achten Klasse abgedruckt sei, und auch im Unterricht ausführlich besprochen wurde. „Wenn ein so bekannter Dichter dann noch in der Nachbarschaft wohnt, dann müssen wir ihn natürlich zu einer Lesung einladen“, meint die Lehrerin und Initiatorin der Lesung, Claudia Schmit.

Die Begegnung mit dem Lyriker solle den Schülern noch bestehende Hemmnisse zum Schreiben nehmen, und deren Bezug zum geschriebenen Wort erhöhen. Kühns Mundartgeschichten über den Fratzenmacher, oder seine Beobachtungen im Kneipendunst des Hasborner Gasthauses Huth kommen bei den Achtklässlern gut an. „Welche Note hatten sie in der Schule im Fach Deutsch“, konfrontiert Alex den prominenten Gastreferenten. Kühn erinnert sich, dass er mit 13 Punkten seinerzeit am Gymnasium die Note befriedigend erhielt. „Die Schulnote ist beim Dichten nicht gefragt. Die Note muss man im Gedicht machen“, ermuntert er. Durch die Schule sei er letztlich zum Schreiben gekommen. Zehn Jahre habe er als Hilfsarbeiter in der Tiefbaufirma seines Bruders gearbeitet, nebenbei noch Dramen, Märchen und Gedichte geschrieben. „Können sie uns noch ein Gedicht über die Liebe vorlesen“, wünscht sich Ines zum Abschluss noch ein paar romantische Verse. Überaus angetan waren die Schüler vom verbalen Auftritt des Heimatdichters. „Ich habe einiges gelernt und kann das gut für den Deutschunterricht nutzen“, sagt Ramona. Als sehr fantasieanregend empfand Moritz die Lesung. „Es war für mich eine große Ehre in der Theleyer Schule einmal vorlesen zu dürfen“, bedankt sich der Autor bei seiner Zuhörerschaft. Begleitet und unterstützt wurde Kühn wie immer vom Germanistenehepaar Irmgard und Benno Rech, die auch seine Werke herausgeben.